Schon vor der Stilllegung hatte die Stadt Bergisch Gladbach das Areal erworben, um die Entwicklung an diesem zentralen Ort selbst steuern zu können. Vorbei sind die Zeiten, in denen Zanders eine Stadt in der Stadt war, abgeschirmt durch Werkstore und Fabrikmauern. Heute ist das REGIONALE-Projekt Konversion Zanders-Gelände das bedeutendste Umbauprojekt im Bergischen RheinLand. Eine städtische Entwicklungsgesellschaft kümmert sich ausschließlich um die Transformation der Fläche. In den kommenden Jahren entsteht ein neuer Stadtteil, der Bestehendes nutzt, Ressourcen schont und Kreisläufe bei Energie und Wasser schließt. Fast 3.000 Menschen sollen hier wohnen, ebenso viele Arbeitsplätze entstehen. Ergänzt wird dies durch Konzepte für nachhaltige
Energieversorgung und Regenwassermanagement. Zanders wird neu erfunden. Nicht über Nacht, sondern in Etappen bis in die 2040er-Jahre – gut Ding will Weile haben.

Konkrete Ergebnisse sind in der ehemals „verbotenen Stadt“ aber schon jetzt erlebbar: Nach der Einweihung des Gohrsmühlenplatzes am Kreisverkehr Driescher Kreuz wurde die zentrale Verkehrsachse („Main-Street“) durch das Gelände vor zwei Jahren geöffnet. Die Wegführung verläuft zwischen dem Haupteingang An der Gohrsmühle und dem Werkstor an der Cederwaldstraße und wird täglich von zahlreichen Menschen genutzt, die zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs sind. Rund um die alte Gleisanlage („Gleisharfe“) ist der neue Gleispark entstanden, der am 9. Mai 2026 feierlich eröffnet wurde. Wo früher Güterwagen verkehrten, wächst jetzt ein grüner Freiraum mit mobilen Sitzmöbeln, der Innenstadt und Zanders-Areal verbindet und Treffpunkt der Stadtgesellschaft werden kann. In Kürze beginnen auch die Rückbauarbeiten auf Zanders, um die denkmalgeschützten Gebäude freizulegen, und mit der Vorstellung der städtebaulichen Entwicklungsplanung im Rahmen eines Bürgerforums im Mai 2026 wurde die Grundlage für den künftigen Bebauungsplan geschaffen. Und es geht weiter: Noch in diesem Jahr beginnen die Umbauarbeiten in der ehemalige Zentralwerkstatt, die bis 2028 abgeschlossen sein sollen. Dann wird aus dem teilweise denkmalgeschützten Bau ein öffentlicher Informations- und Veranstaltungsort samt Gastronomie, der als soziokulturelles Zentrum das Herzstück des neuen Viertels bilden wird.

So wächst auf dem früheren Fabrikgelände Stück für Stück ein neues Quartier. Wo einst Papierbahnen liefen, werden künftig Nachbar*innen Kaffee trinken oder Kinder spielen. Werkstore werden zu Durchgängen, Gleise zu Wegen, Hallen zu Treffpunkten. Zwischen Backsteinfassaden und alten Schienen bleibt die industrielle Vergangenheit sichtbar – und soll es auch bleiben. Ziel ist keine Retortenstadt, sondern eine Transformation mit Erinnerung. Offen, experimentell und mit dem Anspruch, aus einem Ort der Arbeit einen Ort des urbanen Lebens zu machen – 36 Hektar voller Möglichkeiten.