Im Jahre 1960 ließ sich in Erberich ein junger, kaum 35-jahriger Grafiker nieder, ließ ein Haus planen und zwar von dem Schweizer Star-Architekten Max Bill. Allein das ist schon einen Besuch Am
Wasserturm 20 in Erberich wert. Der berühmte Architekt hat überhaupt nur vier Häuser in Deutschland gebaut, zwei davon hier. Auch wenn die typisch quadratischen Bauten mit ihrer Formensprache,
den rauen Backsteinen und sichtbarem Beton heute gewöhnlich erscheinen – damals war es die Ausnahme und Avantgarde. Der Bauherr war Willy Fleckhaus, berühmt vor allem für seine farbfreudige Gestaltung der Taschenbücher des Suhrkamp-Verlages, angelehnt an den Regenbogenkreis, ein ebenso visuelles wie intellektuelles Signet der Zeit. Nicht weniger wichtig aber war Fleckhaus als Gründer und jahrelanger Designer der Zeitschrift TWEN. Ab 1959 war das monatliche Magazin – anfangs in dem Kölner Verlag DuMont Schauberg – in seiner ungewöhnlich offenen Aufmachung, vor allem der Fotografie, ein neues Zentralorgan für Lifestyle-Themen wie Mode, Musik, auch für kulturelle und politische Themen, sowie Film- und Plattenkritik und spielte so etwas wie die Vorreiterrolle für die „sexuelle Revolution“. Dazu kamen politische Themen wie die verdrängte NS-Geschichte, Rassismus oder die Debatte um die Notstandsgesetze. Hier hat Günter Wallraff zum Beispiel 1964 seine erste Reportage „Ich gegen die Bundeswehr“ veröffentlicht, und TWEN wird nicht zu Unrecht im publizistischen Umfeld der 1968er angesiedelt.

TWEN erschien bis 1971, fast ausschließlich von Willy Fleckhaus gestaltet, mit Redaktions- und Herausgebersitzungen genau hier in Erberich, mit provokativen Titeln und Bildern, die nicht selten Furore machten, und das nicht nur im Bergischen RheinLand.