Es waren die Gräber ehemaliger sowjetischer Zwangsarbeiter, die auf „Haus Hammerstein“ an der Wuppersperre untergebracht waren und in der Landwirtschaft oder nahegelegenen Fabriken arbeiten
mussten. Die meisten waren am Fleckfieber, auch Hungertyphus genannt, gestorben.

Es waren nicht die einzigen, die während des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat verschleppt und im Dritten Reich zur Arbeit gezwungen waren. Eine Liste der Initiative „Oberberg ist bunt“ nennt allein im Oberbergischen Kreis über 150 Lager von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. Diese Toten vom Haus Hammerstein waren nahezu in Vergessenheit geraten, bis der neue Besitzer sich des Themas annahm, vor allem dessen Schwiegersohn, Bernhard Guski. Der war Werkkunstschüler in Köln und hatte die Idee, die Gräber herzurichten und die Namen der Toten zu recherchieren. Heute informiert eine eigene Homepage: „Es sind die russischen Menschen, die hier in Voßhagen zwischen Dezember 1941 und Dezember 1942 ihre letzte Ruhe gefunden haben. So wie der 24-jährige Schneider Alexej Poltawskij und der gleichaltrige Traktorist Iwan Tokarew, deren Totenscheine besagen, sie seien am 26. April 1942 ‚auf der Flucht‘ erschossen worden. Der 36-jährige Bauer Wasilij Solokow starb den Tod durch Erhängen. Er war der Älteste, der Jüngste war gerade 17 Jahre alt.“

Gräber ehemaliger sowjetischer Zwangsarbeiter, die meisten waren am Fleckfieber, auch Hungertyphus genannt, gestorben.

Darüber hinaus wollte Guski hier einen Ort der Erinnerung schaffen und lud zu einer Versammlung ins Kolpinghaus. Es fand sich ein Kreis, der sich aktiv kümmerte, Spenden sammelte, ein Modell bastelte, Architekturplan, Maurer- und Zimmermannsarbeiten selbst erledigte, das Holz aus dem eigenen Wald beschaffte, und im Sommer 1986 wurde die „Friedenskapelle“ eröffnet.

Neben Friedensgebeten gibt es in der Kapelle Konzerte, Lesungen, Vorträge und Benefizveranstaltungen. Die „Friedenskapelle“ ist ein heller Bau aus heimischem Material, konzentriert gestaltet und einladend zur Meditation, mit Informationen über Geschichte und Bedeutung. Sie ist immer offen für Gruppen, auch private Veranstaltungen, die der Völkerverständigung gewidmet sind.

Bernhard Guski selber hat nur einen Steinwurf entfernt sein Atelierhaus, im grünen Gelände rundherum sind einige seiner Plastiken mit ihrer abstrahierten Formensprache zu bewundern. So wie etwa auf einer Wiese ein drei Meter hohes Land-Art-Objekt. Guski nennt es „Friedens-Stele“, fünf rostige Stahlträger, die oben von einem Ring zusammengehalten werden. Hier oben mit dem weiten Blick in die Landschaft ist es friedlich, aber die Arbeit erinnert auch an das Gegenteil.

Friedenskapelle Vosshagen
Voßhagen 1
42499 Hückeswagen
 

Mehr Informationen: Friedenskapelle-Vosshagen – Webseite der Friedenskapelle Vosshagen