Sie halten den Verkehr flüssig, drosseln das Tempo und reduzieren die Unfälle. So weit, so gut, aber entscheidend ist der Kreisel selbst, bzw. seine meist leicht erhöhte Mitte. Hier haben weder EU noch die Straßenbauer etwas zu sagen, er ist Hoheitsgebiet der örtlichen Kommunen und ihrer Bürgermeister*innen. Und wenn sie keine Blumen oder Bäume pflanzen, demonstrieren sie hier gern die heimischen Produkte, historisch oder aktuell, wie Kurbelwellen oder Räder, Ringe und Ketten, natürlich auch bergische Grauwacke und Felsbrocken jeder Couleur.

Es gibt Ausnahmen – eine in Radevormwald. Seit 2017 wehen am Kreisel an der Hohenfuhr-, Uelfe- und Kaiserstraße acht hohe Fahnen, die halbjährlich wechseln. Hier geht es immer um gegenstandslose Kunst, Bilder also, die keine Abbilder sind und die den historischen Stadteingang am Osttor inszenieren. Bis zum Juni 2026 waren Arbeiten des Dresdner Künstlers Jochen Stankowski zu sehen, deren Gesamtspiel er zu Recht „Choreografie“ genannt hat. Die Grundlage dieses künstlerischen Werks ist ein Quadrat, in dem sechs rechtwinkelige und gleich große Dreiecke untergebracht sind, die sich von Fahne zu Fahne verschieben und so das Quadrat zerlegen. Es ist ein Spiel, ein Tanz von Farben und Formen in sieben Variationen im Kreis der Fahnen. Die Choreografie wird von den Formen genauso bestimmt wie von der Bewegung und Umgebung. Und auch wenn die Notation der Farben und Fahnen vom Künstler vorgegeben ist, man bestimmt selbst, welches Bild man sieht und sehen will, je nach Blick und Himmelsrichtung, nach Wetter, Licht oder Wind. Auf Jochen Stankowskis „Choreografie“ am Kreisverkehr folgen die Farb-Fahnen des Kölners Künstlers Peter Zimmermann.

Urheber der Installation am Kreisverkehr ist Bernd Freudenberg, Kunstvermittler und Kurator, der vor zwölf Jahren zur 700-Jahr- Feier der Stadt die Open-Air-Ausstellung „Flagge zeigen“ organisierte, aus der die „Acht Fahnen“-Installation entstand. Er ist auch Initiator für andere Kunst im öffentlichen Raum der Stadt. Etwa die Installationen im Parc de Châteaubriant mit dem umgesiedelten Gartenhäuschen von 1772, die Op-Art-Kunst an einer Hauswand in der Weststraße, die an bergische Schieferfassaden erinnert, oder den Bronzekopf von Erwin Wortelkamp neben dem Eingang der Martini-Kirche. Beliebt auch die 30 über die Innenstadt verstreuten und teils beleuchteten Sitzwürfel in den Stadtfarben.

Einen Ausflug wert ist die von Freudenberg kuratierte Arbeit von Raymund Kaiser im nahen Uelfebad, ein Projekt der REGIONALE 2010, das bis heute erstaunt und erfreut. Ein doppelseitig gefärbter Spiegel mitten im Wasser des ehemaligen Bades reflektiert die Bewegungen von Wind und Wasser, die so auf seiner Spiegelfläche ein ständig wechselndes Landschaftsbild produzieren. Radevormwald, ein kultureller Hotspot im Oberbergischen, auf jeden Fall im öffentlichen Raum