Solche Stationen werden derzeit Schritt für Schritt aufgebaut. Das Projekt Mobilstationen im Bergischen RheinLand der REGIONALE 2025 hilft dabei, klimafreundliche Mobilität in der Region alltagstauglicher zu machen. Begonnen hat das Ganze im Rheinisch-Bergischen Kreis, wo inzwischen ein ganzes Netz an Stationen entstanden ist, mittlerweile kommen immer mehr im Oberbergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis dazu.

Für Thomas Klein gehört der Umstieg längst zur Routine. Der IT-Administrator pendelt jeden Morgen aus Köln nach Rösrath. Wenn er aus der Regionalbahn steigt, liegt der größte Teil seines Arbeitswegs schon hinter ihm. Nur die letzten paar Kilometer fehlen noch – und die haben es topografisch in sich. „Ich muss einige Höhenmeter überwinden, das ist ohne Motor schon ordentlich“, sagt er und grinst. Früher ist er die Strecke zu Fuß gegangen oder hat auf den Bus gewartet. Heute läuft er direkt zur E-Bike-Station neben dem Bahnsteig. Handy raus, Code scannen, Helm auf und los. Der Elektromotor surrt leise, während er den Anstieg Richtung Büro hochfährt. „Das dauert vielleicht fünf Minuten“, sagt er. „Und ich muss mich nicht mehr um die Parkplatzsuche kümmern.“

Das Rad ist in der Box, ein paar Schritte zum Bus – fertig.

Die E-Bike-Station ist einer der Bausteine der Mobilstation in Rösrath. Räder lassen sich hier spontan ausleihen – praktisch für alle, die nach der Bahn noch ein paar Kilometer weitermüssen. Gerade für Pendler*innen aus und nach Köln ist das eine bequeme Lösung. Während in Rösrath morgens Menschen aus der Großstadt ankommen oder in Richtung Köln abfahren, geht es rund vierzig Kilometer weiter östlich deutlich ruhiger zu. In Nümbrecht im Oberbergischen Kreis findet man morgens nur ein paar Fahrgäste an der Bushaltestelle. Neben dem Wartehäuschen stehen mehrere schlichte Metallboxen. Sabine Möller öffnet eine mit ihrer ÖPNV-Chipkarte, schiebt ihr Fahrrad hinein und klappt die Tür zu. „Das ist für mich Gold wert“, sagt die gelernte Krankenschwester. Ihr Arbeitsweg beginnt ein paar Kilometer entfernt im Dorf. Von dort fährt sie mit dem Rad zur Haltestelle, stellt es in der Box ab und steigt anschließend in den Bus Richtung Gummersbach. Früher ist sie die Strecke von zu Hause zu Fuß gegangen. „Ich hatte immer ein bisschen Angst, wenn das Fahrrad den Tag über draußen stand“, erzählt sie. „Jetzt weiß ich: Es ist sicher.“

Die abschließbaren Fahrradboxen gehören zum Baukastensystem der Mobilstationen. Und genau so funktioniert das Projekt: Jede Kommune stellt sich ihre Station aus verschiedenen Bausteinen zusammen – je nachdem, was vor Ort gebraucht wird. Mal sind es sichere Radboxen, mal Carsharing-Autos oder Park-and-Ride-Plätze, mal ist es ein E-Bike-Verleih. Manchmal gibt es auch digitale Infopunkte oder Mitfahrangebote.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis hat der Aufbau dieses Netzes bereits 2019 begonnen. In zwei Ausbaustufen entstanden Mobilstationen unterschiedlicher Größe in allen Kommunen. Die erste vollständig ausgestattete Station wurde 2022 eröffnet. Weil viele Angebote gut genutzt werden, wird inzwischen sogar über Erweiterungen nachgedacht.

Sabine Möller sieht das Ergebnis jeden Morgen ganz praktisch vor sich: das Rad in die Box, ein paar Schritte zum Bus – fertig. „Mit dem Auto wäre ich ungefähr genauso schnell“, sagt sie. „Aber so spare ich Sprit. Und ein bisschen Bewegung am Morgen schadet auch nicht.“ Zur gleichen Zeit stellt Thomas Klein sein E-Bike an einer Station in der Nähe seines Büros wieder ab. Für ihn ist der Umstieg längst selbstverständlich geworden. „Eigentlich ist das alles gar nichts Besonderes“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Man steigt aus der Bahn, setzt sich aufs Rad und fährt weiter.“ Genau das ist der Punkt. Mobilstationen sind Orte, an denen der Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln ganz normal wird – egal ob man aus Köln kommt, aus dem Bergischen zur Bushaltestelle radelt oder nur ein paar Kilometer weiter zur Arbeit muss.