Über 1.000 Besuchergruppen gab es in den vergangenen 25 Jahren in Lieberhausen, einem Dorf der Gemeinde Gummersbach, und sie kamen weniger zur berühmten „Bunten Kirche“ im Ort, sondern sie besuchten das örtliche Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk. Das ist nämlich der Hit, weil es seit 2001 das ganze 330-Seelen-Dorf mit Nahwärme versorgt, und das als Genossenschaft in eigener Hand.

Die Idee hatte seinerzeit der Revierförster Bernd Rosenbauer, der nach dem Motto „Global denken – Lokal handeln“ vorrechnete, dass man in und um Lieberhausen genügend Holz hat für ein eigenes „Holzhackschnitzel- Heizkraftwerk“, wie der Fachausdruck lautet. Der große ökologische Vorteil von Holz, und das trotz aller kritischen Fragen in jüngerer Zeit: Ein Baum nimmt während seines Wachstums genauso viel CO₂ auf, wie beim Verbrennen freigesetzt wird oder auch beim Verrotten.

So schaute man sich um, beschäftigte sich mit entsprechenden Brennanlagen, mit technischen, juristischen und finanziellen Fragen, mit dem Verlauf der Wärmetrasse und dem Übergang in die einzelnen Häuser. Man machte sich schlau und entschied sich dann für die Gründung der „Energiegenossenschaft Lieberhausen eG“. Das war finanziell günstiger, es gab Zuschüsse des Landes, man behält den Betrieb in eigener Hand und entscheidet selber über Investitionen und Entwicklung. So war Lieberhausen die erste Dorfgenossenschaft in Nordrhein-Westfalen, die eigene Wärme produzierte.

2001 ging es los mit 41 Häusern, der Kirche, einem Gasthof und dem Feuerwehrhaus. Ein paar Jahre später schon konnte man für das Holz eine große Lagerhalle bauen, wieder ein paar Jahre danach kam eine Solaranlage aufs Dach, 2014 dann eine spezielle Holztrocknung und eine Siebmaschine zur Produktion von Hackschnitzeln. Der Handel mit Brennholz für Kamine wurde aufgenommen, und inzwischen hat man nicht nur fünf halbe und ganze Arbeitsplätze vor Ort geschaffen, sondern aus dem Genossenschaftsheizwerk entstand auch ein Betrieb im nahen Marienheide, der Brenn- und Kaminholz, Dachlatten usw. verkauft.

Das Resultat kann sich sehen lassen: die neuen Arbeitsplätze, die Nachhaltigkeit der Produktion, die Vorteile fürs Klima und auch die Preise für die Fernwärme. Vor allem aber, die Genossenschaft hat im Dorf zu einer „Gemeinschaft“ geführt, auch wenn dieses Wort ein wenig hochtrabend klingt. Aber es stimmt.

Neben Lieberhausen ist die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG aktiv. Seit 2011 setzt sie sich für die Energiewende im Rhein-Sieg-Kreis ein, ebenfalls bürgernah und mit beeindruckender Resonanz. Mehr als 550 Mitglieder aus allen Bereichen der Gesellschaft – von Ratsfraktionen über Unternehmen bis zu Vereinen – sind beteiligt. Elf Photovoltaikanlagen mit insgesamt 1,2 MWp (Megawatt-Peak) hat die Genossenschaft schon realisiert, und das neueste Projekt könnte noch größere Kreise ziehen: 11 MWp auf 9,5 Hektar. Der Bürger-Solarpark in Much liefert seit dem Sommer 2026 Strom für rund 3.500 Haushalte. Doch die Genossenschaft macht nicht nur Strom, sondern denkt die Energiewende umfassender: In Zusammenarbeit mit der Dachgenossenschaft Bürgerwerke versorgt sie Bürger*innen mit Ökostrom aus regionaler Produktion – Sonnen-, Wind- und Wasserkraft – sowie mit BürgerÖkoGas. Sogar nachhaltige Mobilität wird unterstützt, mit Carsharing- Angeboten in der Region.

Was beide Genossenschaften eint, ist das Motto: Energieversorgung in Bürgerhand, demokratisch mitgestaltet, nachhaltig und praktisch erfahrbar. Hier geht es nicht nur um Technik und Zahlen, sondern um Gemeinschaft, Verantwortung und eine Vision für die nächsten Jahrzehnte. Im Bergischen RheinLand. Vor Ort.

Mehr Informationen:

Energiegenossenschaft Lieberhausen: ÜBER UNS | Energiegenossenschaft Lieberhausen eg

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