Anonym bekam der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff das Foto eines Graffitis zugeschickt. Es zeigt das meterhohe Porträt eines Mannes mit Glatze und Schnurrbart und es stellt ihn selber dar. Das Bild ist an die Betonwand einer Brücke gesprayt, irgendwo in Burscheid, Wallraff selber weiß nicht wo. Aber es ist kein Zufall, denn der inzwischen weltbekannte Autor ist in Burscheid geboren.

Seine Eltern zogen im Krieg aufs Land nach Blecher. Hier kam er im Oktober 1942 in dem Krankenhaus der Budde-Stiftung zur Welt. Die Eltern gingen nach Kriegsende zurück nach Köln, aber der Junge verbrachte viel Zeit bei der Großmutter, die auf dem Weg zum Märchenwald Altenberg eine „Andenkenbude“ betrieb. „Sie verkaufte Souvenirs und Lebkuchenherzen, Wanderstöcke, Käppis und Gipsmadonnen. Altenberg war schließlich ein Wallfahrtsort.“ Günter half als Kind an Wochenenden auch mal mit. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir abends die Souvenirs nach Blecher hochschleppten, weil schon mal eingebrochen wurde.“

Der Großmutter zuliebe ging Wallraff immer wieder zur Sonntagsmesse in den Altenberger Dom. Auf dem Hang neben dem Dom ist er als Kind Schlitten gefahren, später auch mit seinen eigenen Kindern.

Günter Wallraff verbindet magische Erinnerungen mit der Region rund um den Märchenwald. Manchmal unternimmt der mittlerweile 83-Jährige noch Wanderausflüge mit Gästen, eine seiner Lieblingsstrecken ist der Weg von Altenberg, Dhünn und Eifgental entlang, bis zur Rausmühle in Wermelskirchen. Lange Lokal seiner Herzenswahl.