Veranstaltet von den örtlichen Geschäften, Handwerker*innen, den Händler*innen und Wirtshäusern gibt es bis weit nach Mitternacht einen Parcours durch den Ort mit zahlreichen Angeboten, Musik und Getränken, Kinderspielen, Biergarten oder Feuerwerk und mehr Besucher*innen als Einwohner*innen selbst.

Das ist nicht der einzige Hinweis in Morsbach auf diesen Titel „Republik“. Da gibt es noch das Schubkarrenrennen „Der große Preis der Republik“ oder den „Republik-Stein“ auf dem nahen Gipfel und die Aussichtsplattform über dem Ort „Repu-BLICK“. Und ganz wichtig: der „Prinz der Republik“ im Karneval.

„Republik“ hat hier eine etwas besondere Bedeutung. Man könnte annehmen, das hat mit der Geschichte zu tun oder dem 19. Jahrhundert, als die Demokraten gegen die Fürsten eine Republik forderten. Doch in Morsbach beginnt das Spiel mit der Republik im Jahre 1946. Damals, direkt nach dem Krieg, galt der Ort als eines der Armenhäuser in der Region, und als eines Tages ein amerikanischer Besatzungsoffizier sich beschwerte über die Eigenmächtigkeit der Morsbacher, es ging wohl ums Schwarzschlachten, beschwichtigte ihn der damalige, übrigens von den Alliierten schon am 7. (!) Mai 1945 eingesetzte Landrat, August Dresbach: „Lassen Sie die Leute. Das ist hier sowieso eine ‚Republik‘ für sich!“

Das sprach sich rum, die Karnevalisten griffen das auf und positionieren seit den frühen 1950er-Jahren ihren Prinzen eben nicht in Morsbach, sondern in der „Republik“. Erstaunlich indes, dass in jüngerer Zeit dieses Label mit neuem Leben gefüllt wurde, erst gab es ein „Wirtshaus zur Republik“, und dann dachte sich 2015 eine Initiative von Geschäftsleuten die „Lange Nacht“ aus. Die „Republik“ hat in Morsbach ihren „Sitz im Leben“, wie die Bibelwissenschaftler sagen würden, wenn sie den tieferen Sinn eines Textes oder Wortes ergründen. Das hat wohl mit dem Selbstbewusstsein der Menschen zu tun, einer Mentalität mit einem Hang zu Autarkie. Es hängt vielleicht auch mit der geografischen Tal- und Randlage zusammen und historisch mit der Tatsache, dass es sich um eine katholische Enklave in protestantischem Umfeld handelt.

In diesem Jahr findet die „Lange Nacht der Republik“ übrigens am 8. August statt, und davor gibt es zur Einstimmung am 19. und 26. Juli Rockkonzerte auf dem Rathausplatz. Eintritt frei.