Bei allen Schützenvereinen mit eigener Halle, und davon gibt’s einige im Bergischen RheinLand, existiert oft das gleiche Problem. Eine Halle rechnet sich nicht mit nur einem Schützenfest und zwei bis
drei Feiern pro Jahr. Die Kosten sind höher als die Vereinsbeiträge. Warum also nicht mehr machen, die Halle ist ja schon da? Die Neuen setzten sich zusammen, veranstalteten Ideenwerkstätten, machten eine einjährige Testphase und heraus kam der Plan für einen Kultur- und Begegnungsort für das gesamte Dorf mit Musik und Kabarett, mit Weinproben und Tanzcafé, Flohmarkt und Country-Rock, Eltern-Kind- Café, Märkten und Kunsthandwerk. Und sie gaben dem Ganzen den pfiffigen Titel „3H“ für die „Hubertus Halle Hülsenbusch“. Das Konzept überzeugte im Düsseldorfer Kultusministerium, und im April 2025 erhielt 3H eine Zusage über 450.000 Euro aus dem Kulturtopf „Dritte Orte“ für den Um- und Ausbau der Halle und den Betrieb der ersten Jahre. 150 Mitglieder hat
der Schützenverein, davon sind fast die Hälfte Frauen, und alle packen an und machen vieles selbst auf der Baustelle mit den rund 400 Quadratmetern: Es geht um neue Decken und Verkleidungen, Lärmschutz und Fenster. Saal, Küchen, Toiletten und Nebenräume werden hergerichtet, am Ende auch die Außenanlagen, und so wird das neue Heim noch in diesem Jahr eröffnen. Nun ist das nicht das einzige Engagement der Dorfgemeinschaft. Es gibt bereits zwei Genossenschaften vor Ort, beide aus jüngerer Zeit. Die Kneipengenossenschaft „Gaststätte Jäger“, die 2014 entstand, als die letzte Kneipe schloss, und mit der „3H“ eng kooperiert. Dann folgte 2020 die zweite Genossenschaft mit einem neuen „Ärztehaus“, das seitdem von zwei Ärzten, einer Logopädie-Praxis und einer Tagespflegeeinrichtung bespielt wird.
Und noch mehr geschieht in diesem Dorf mit gerade mal 900 Einwohner*innen. Gemeinsam hat die „Dorfgemeinschaft Hülsenbusch“ einen Fitness- und einen Erlebniswald geschaffen, eine Bücherzelle, als die Bibliothek zumachte, es gibt einen wöchentlichen Markt, bei dem Mitglieder des Dorfvereins in einem Marktmobil Kaffee und Kuchen und bisweilen auch Kochevents für die Marktbesucher anbieten.
Wie geht das alles, denkt man sich beim Besuch in Hülsenbusch und fragt das auch gleich den jungen Vorsitzenden der Schützen, Benjamin Döhl, der von all diesen Initiativen, Aktivitäten, den Vereinen, ihren Ideen und dem Engagement erzählt. „Wir sind ehrenamtlich verrückt. Wir machen es einfach.“
Mehr Informationen: Schützenverein – Dorfgemeinschaft Hülsenbusch