Auf der Homepage des Oberbergischen Kreises gibt es eine umfangreiche Liste von
Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Da gibt es in Morsbach unkomplizierte Hilfen bei Alltagsproblemen, in der Wohnung etwa oder bei PC- und Handy-Fragen und der Begleitung zum Arzt. In Hückeswagen und Radevormwald werden Flüchtlinge in Deutsch unterrichtet oder man kocht zusammen. In Lindlar reparieren die Ehrenamtler im Repaircafé Fahrräder, Toaster und Rasenmäher, während die Ehrenamtlerinnen Anzüge flicken und die Motten aus den Pullovern vertreiben. In Engelskirchen treffen sich die Interessierten einmal im Monat zu Brett- und Kartenspielen – im Rathaus, Raum 5. Und wenn jemand zum Zuhören gebraucht wird, gibt es hier die „Redezeit“. In Morsbach organisiert der „Treffpunkt Sonnenschein“ Fahrten und Besuche in Kultureinrichtungen. Und im ganzen Kreis haben Hunderte Schüler der 9. Klassen einen viertägigen Sozialführerschein in Senioreneinrichtungen oder Kindergärten gemacht. Und so geht es munter weiter.

Diese Fülle an ehrenamtlichen Tätigkeiten ist ebenso erstaunlich wie exemplarisch im Oberbergischen, und das seit über 25 Jahren. Start war ein Projekt des Familienministeriums im Jahre 2009 mit dem Ziel, kreisweite Netze von Stützpunkten zu schaffen, wo Freiwillige ihre Dienste anbieten. Der Oberbergische Kreis war bald ein Leuchtturmprojekt in Nordrhein-Westfalen unter dem Label „Weitblick“. In den 13 Städten des Kreises organisieren seitdem Lotsen und Lotsinnen im Rathaus diese Arbeit, machen Angebote, helfen den Projekten und Initiativen und betreiben Netzwerkarbeit in Sachen Ehrenamt.

Beim „Marktplatz für gute Geschäfte“ gilt: „Geld tabu“, wenn Unternehmen und gemeinnützige Organisationen Kooperationen und Netzwerke knüpfen.

Zur Qualifizierung der Engagierten gehört eine Ehrenamts-Akademie, die praktische und juristische, psychologische wie medienspezifische Programme anbietet. Daneben engagiert sich der Kreis, bzw. seine Mitarbeiter*innen selber. Am „Social Day“ können sich die Auszubildenden für einen Tag von der Arbeit freistellen lassen, um sich in einer sozialen oder karitativen Einrichtung ganz praktisch zu betätigen, die Außenanlage eines Altersheims pflegen, einen Feuerwehrübungsplatz aufräumen oder im Wald Wildschutzzäune abbauen. Und in diesem Jahr gibt es erstmals den „Marktplatz für gute Geschäfte“, bei dem „Geld tabu“ ist, wenn sich Unternehmen und gemeinnützige Organisationen treffen und zu neuen Netzwerken und Kooperationen verabreden.

Viel ist hier los und kreativ geht es zu, und erstaunlich ist vor allem, dass von der Verwaltung selber die Initiative ausgeht und sie in Partnerschaft mit den Bürger*innen den Takt vorgibt. Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Einmal das Engagement der jeweiligen Landräte, die die „Fachstelle für bürgerschaftliches
Engagement und Ehrenamt“ direkt in ihrem Leitungsstab angesiedelt haben. Entscheidend ist aber auch, dass die Menschen im Oberbergischen schon immer auf Engagement und Eigeninitiative angewiesen waren, wegen der geografischen Lage, der Entfernung von den Großstädten und den oft armen Verhältnissen. Deshalb sind es die Menschen in einem Flächenkreis mit 1.441 Dörfern und Weilern gewohnt, in eigenen Strukturen zu denken und zu handeln. Und das klappt bis heute.