„Sheriff von Au“. Kennt den Ort, den Bahnhof,
die Flora, lebt hier schon immer, hat den Wandel
miterlebt und dann mit angepackt.
Die S-Bahn aus Köln und die Regionalzüge wieder „Rhein-Sieg-Express“, der über Köln weiterfährt bis Aachen, von Süden die Linie von Limburg über Altenkirchen oder die S19 mit direktem Anschluss an den Flughafen Köln-Bonn. Alle halten hier. Au ist Eisenbahnknotenpunkt im Bergischen RheinLand für fast 3.000 Pendler täglich. Trotzdem stand der Bahnhof fast 20 Jahre leer. Kein Kaffee, keine
Pommes und kein Klo. Doch das ist seit Mai 2026 Geschichte.
Ein Verein mit dem treffenden Namen Stationista e. V. betreibt jetzt den Bahnhof als neuen Knotenpunkt für Kultur und Begegnung. Mehr als zwei Dutzend aktive und engagierte Frauen und Männer haben in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Windeck und der Bahn den alten Bau mehr als nur aufgefrischt, und das in einer ebenso lebendigen wie modernen Anmutung.
Aus der Kneipe ist ein Tanzraum geworden, Café und Kunst gibt es in der Wartehalle, dazu einen Wohn- und ein Vereinszimmer, Küche, Lager, ein Werkraum und das „Fenster zum Gleis“, einen Kisok, der demnächst früh ab sechs für die Morgen-Pendler geöffnet ist. Zusammen sind das 280 Quadratmeter. Wichtig waren und sind die frisch renovierten Toiletten, denn das war immer ein erster Wunsch, wenn die Stationistas die Menschen rund um den Bahnhof gefragt haben, was fehlt. So entstanden „die sweetesten Toiletten, die die Welt gesehen hat“. Die Künstlerin Tanja Corbach hat über Wochen ein Fliesenmosaik mit Wasserwesen, Kugel- oder Goldfischen, Haien und Algen gemeinsam mit den Besuchern gestaltet. Eine soziale Plastik in einer öffentlichen Toilette.
Die lesenswerte Webseite der „Station“ erzählt in lebhaften Geschichten und Bildern von dem zweijährigen Prozess: von Renovierung und Sanierung, Finanzierung und Organisation, den Helfer*innen, ihrem Engagement und ihren spezifischen Fähigkeiten. Man ist ebenso erstaunt wie erfreut über die Energie, die Kreativität und natürlich den Erfolg. Und jetzt können die Bahnreisenden jederzeit einen
Stopp einlegen, auf einen Kaffee oder ein Bier, zum Lesen oder Musikhören. Denn es fährt ja immer ein Zug, und das gleich in drei verschiedene Richtungen.
Mehr Informationen: Die STATION im Bahnhof Au(Sieg): Dritter Ort, Kultur-Venue und Zukunftsmodell!
Bahnhöfe in Bürger*innenhand
In Overath der Kulturbahnhof, in Hennef ein Wirtshaus, im Güterbahnhof Eitorf die Biostation und in Morsbach das Projekt der REGIONALE 2025 Neues Bahnhofsquartier. Und auch jenseits der Grenzen des Bergischen RheinLands: das Arp Museum Rolandseck, der Kaiserbahnhof in Brühl, Kulturbahnhöfe in Lennestadt oder Jülich, und so geht es weiter. Alles Bahnbauten mit neuer Nutzung, häufig sind es wie in Windeck-Au Kulturzentren und Dritte Orte, gern auch Gasthöfe oder Cafés, bisweilen Wohnorte im Kollektiv. Die Deutsche Bahn braucht auf dem Land ihre Bahnhöfe kaum noch. Sie hat ihre Geschäfte in Automaten und ins Netz verlegt. Und doch sind Bahnhöfe für die Menschen immer auch Orte der Erinnerung, der Begegnung, bisweilen sogar des Abenteuers. Und wo und wann immer sich eine Initiative gründet, einen leerstehenden Bahnhof mit neuem Leben zu erfüllen, wird sie freudig begrüßt.