den Trecker von Onkel Heinz.
Der eine Jürgen, Schriftsteller, Jahrgang 1932, lebte nach dem Krieg in Waldbröl, dann in Köln und später bis zu seinem Tod 2024 in Odenthal. Er hat bei Suhrkamp und Rowohlt gearbeitet, war lange Hörspielchef im Deutschlandfunk, dann freier Autor. Sprachlich war er ein radikaler Experimentierer, und als 1964 sein erstes Buch „Felder“ erschien, machte es ihn auf einen Schlag bekannt, aber die Literaturszene auch ratlos. Sein umfangreiches Werk bietet Romane, Erzählungen und Hörspiele und insbesondere Lyrik. Seine Sache war das Erleben und Erinnern. „Ich kann nur schreiben, wenn ich etwas gesehen, erlebt, gerochen, gefühlt habe.“
Der andere Jürgen, Kabarettist, Jahrgang 1959, hat Vorfahren und Verwandte in dem kleinen Dörfchen Olpe, das zu Kürten gehört. Die halbe Kindheit und Jugend hat dieser Jürgen auf dem Hof von Onkel Heinz verbracht. Mit zwölf durfte er schon auf den Trecker. Von so was konnten seine Kölner Klassenkameraden nur träumen, denn „irgendwie war Olpe das Paradies“. Für die Heimatzeitung
in Kürten hat er sich erinnert: „Wir lernten viel: Tierwohl, Doppelkopf, Respekt, Zusammenhalt, Verantwortung und nicht zuletzt Alltagswitz in hoher Frequenz, alles Fächer, die man an der Schule
vergeblich suchte.“
Wie der eine Jürgen literarisch reüssierte, zahlreiche Literaturpreise erhielt und bald zu den herausragenden Autoren in Deutschland zählte, wurde der andere Jürgen als Präsident der Kölner Stunksitzung bekannt, später mit seiner kabarettistischen Kölner Stadtgeschichte „Biotop für Bekloppte“, lange Jahre moderierte er die „Mitternachtsspitzen“ im WDR und ist heute als Kabarettkünstler weit übers Rheinland hinaus bekannt.
Einmal sind sich die beiden begegnet, Anfang der 1990er Jahre, als der Name des Kabarettisten jetzt öfter auf den Plakaten auftauchte und der Schriftsteller ihn bat, sich doch einen Künstlernamen zuzulegen, schon wegen der Verwechselung.
„Allein durch das Alter“ ließen sie sich doch leicht unterscheiden, meinte der damals noch junge Kleinkünstler. Der Ältere ahnte aber wohl schon, dass das Verwechslungsproblem in der Familie liegen könnte: Seinem Sohn Boris, einer der renommiertesten Fotografen Deutschlands, wuchs bereits ein Namensvetter auf dem Tennisplatz über den Kopf.
Jürgen Becker: Die Scheune
Krähen taumeln im Sturm, nachmittags
ein Fensterfilm
vom Widerstand der beachtlichen Bäume
Anfang einer Handbewegung
einer Erkundung
Reste des Spiegel-Gedichts. Die Scheibe zerkratzt,
der abgeblätterte Rahmen, der den Zaun
ausbeult. Spur
durch ein Gedächtnis; die Fläche ward
leer, als im scharfen Frühjahr
die Schrift riß
aufsteigende Sätze
die entstehenden Geräusche werden verwendbar
leergelaufene Blockzeiten
Frost hat vernichtet das Efeugewächs
Frieden bewahrt der Friedhofsschnee
nie Trommler war der Regen
ein leichtes Gewehr
(...)
Aus dem Gedichtband „Odenthals Küste“ (1986) „Wer die kleine rheinisch-bergische Gemeinde auf der Landkarte findet, findet in der Nähen kein Meer, keine Küste. Nur das prähistorische Gedächtnis weiß, dass vor Millionen von Jahren dort das Meer an eine Küste schlug.“ (Klappentext Suhrkamp Verlag)